Adrian Sutil

Gesunder Erfolg in der Formel 1

Ihm wird eine erfolgreiche Zukunft vorausgesagt und nicht Wenige sehen in ihm den zukünftigen Formel-1 Weltmeister. Men’s Fitness traf den Wahl-Schweizer in München und versuchte das Geheimnis seines Erfolgs zu ergründen.

MF: Körperliche Fitness ist eine wichtige Voraussetzung für einen F1-Fahrer. Welchen Anteil hat ein austrainierter Körper am Erfolg?

AS: Die Fitness ist schon sehr wichtig. Man sollte von Beginn an körperlich sehr gut vorbereitet sein, denn speziell am Anfang ist es sehr hart. Die Fliehkräfte sind in einem Formel-1 Fahrzeug sehr hoch und es dauert eine gewisse Zeit bis sich der Körper daran gewöhnt hat. Die Belastung ist aufgrund der vielen Rechtskurven sehr einseitig, so dass der Nacken auf der rechten Seite sehr beansprucht wird. Es entsteht eine einseitige Belastung des Rückens und dem muss man entgegen wirken. Hier ist Krafttraining sehr essentiell. Natürlich spielt auch die Ausdauer eine große Rolle. Das Wichtigste ist aber sicherlich einen gestärkten Rücken zu haben, da die Autos sehr hart sind und die Wirbelsäule die eigentliche Federung darstellt. Ohne meinen Physio-Therapeuten könnte ich nach den Rennen sicherlich nicht lange durchhalten (lacht).

MF: Gesunder Körper, gesunder Geist – These oder Wahrheit?

AS: Sicher ist das auch richtig. Wenn ich gesund lebe und mich gut ernähre, fühle ich mich wohler, zufriedener und habe ein besseres Gefühl. Und dies kommt letztendlich auch den Leistungen zugute. Ich mache im Grunde das, was mir Freude macht. Ich achte aber auch darauf nicht über die Strenge zu schlagen und plötzlich 2-3 Kg zu viel auf der Waage zu haben.

MF: Thema Gewicht in der Formel-1: Inwieweit unterwerfen Sie sich und Ihren Körper den Anforderungen eines leichten Gewichts und den daraus resultierenden Zeitvorteilen?

AS: Für mich als großen Fahrer ist es natürlich wichtig auf mein Gewicht zu achten. Seit ich den Rennsport betreibe, musste ich schon immer extreme Diäten machen. Es gilt in erster Linie eine ausgewogene Diät zu betreiben, welche den Körper nicht schadet und gleichzeitig den Power erhält. Man sollte auch am Ende eines anstrengenden Rennens in der Lage sein noch einmal anzugreifen. Dies gilt im Speziellen auch für Hitzerennen wie zum Beispiel letztens in Singapur.

MF: Training & Fitness – Wie hoch ist der Zeitaufwand dafür in Ihrem Privatleben?

AS: Aufgrund des vollen Terminkalenders bleibt einem im Grunde nicht sehr viel Zeit. Mindestens 1-2 Stunden täglich sind aber schon drin. Es können aber auch mal mehr Stunden sein. Man muss aber nicht täglich 4-5 Stunden trainieren, das kann mir keiner erzählen. Wenn ich kaputt bin, lege ich mich aber auch einfach nur mal ins Bett. Im Endeffekt sollte man so viel Disziplin haben, regelmäßig etwas zu tun.

MF: Körperliches Training – Spaß oder Qual?

AS: Kommt darauf an. Es macht definitiv mehr Spaß wenn man nicht alleine trainieren muss. Zuhause und alleine muss man sich schon mal etwas mehr zwingen seine Laufschuhe anzuziehen, oder sich auf das Rad zu schwingen um die Ausdauer zu verbessern. Aber grundsätzlich gilt auch hier: Kann man immer machen.

MF: Sind Sie eitel? Glauben Sie dass etwas Eitelkeit im täglichen Leben generell von Vorteil sein kann?

AS: Ich bin schon eitel, aber im gesunden Sinne denke ich. Ich bin Perfektionist und versuche grundsätzlich immer das Beste aus mir herauszuholen. Dies gilt für mein äußerliches Auftreten und meinen Körper, genauso wie für den Rennsport. Ob privat oder beruflich, der Perfektionismus spiegelt sich eigentlich in meinem ganzen Leben wider.

MF: Sie sind jetzt 27 Jahre alt. Wie lange möchten Sie Ihren Sport noch ausüben?

AS: Es gibt keinen Masterplan. Aber solange es Spaß macht werde ich versuchen in der Formel-1 mein Bestes zu geben. Ich kann mir vorstellen, dass ich die nächsten zehn Jahre hinter dem Steuer sitzen werde. Ein Mensch verändert sich natürlich und man kann nicht voraussehen was passieren wird, aber ein Rennwagen wird immer etwas Besonderes für mich bleiben.

MF: Sie haben bis zu Ihrem 14. Lebensjahr recht erfolgreich Piano gespielt, das komplette Gegenteil zur Formel-1. Können Sie sich vorstellen, nach Ihrer aktiven Karriere in einem Metier tätig zu sein, das nichts mit Pferdestärken und Drehzahlen zu tun hat?

AS: Nein! Ich bin ein totaler Adrenalin-Junkie. Das war auch schon etwas, was mir beim Klavierspielen fehlte. Ich versuche immer die Extreme auszuloten und liebe alles was damit zu tun hat. Zum Beispiel beim Kunstflug. Ich freue mich riesig, wenn ich jedes Jahr einmal in das Flugzeug eines befreundeten Piloten einsteigen darf und meinen Körper noch extremeren Fliehkräften aussetzen kann als in einem Formel-Boliden. Dies erfordert allerdings gute körperliche Voraussetzungen. Da können Untrainierte bei den extremen G-Kräften auch schon mal das Bewusstsein verlieren. Aber ich liebe dieses Gefühl einfach.

MF: Wie schauen Ihre sportlichen Pläne für die nahe Zukunft aus? Welche persönlichen Ziele haben Sie sich gesteckt?

AS: Ich möchte mich in jedem Fall weiter verbessern und früher oder später bei einem absoluten Top-Team fahren. Mein Ziel ist es in einem Auto zu sitzen, mit dem ich die WM gewinnen kann. Ich fühle mich sehr wohl bei Force India und bin glücklich. Es gilt sich sportlich weiter zu entwickeln und somit auch die beste Option zu wählen die einem angeboten wird. Offiziell gibt es im Moment allerdings noch nichts zu bestätigen.


INTERVIEW: Oliver Bloss FOTO: cmg