ALEXANDER HUBER DER WEG ANS LIMIT  

ALEXANDER HUBER der Weg ans Limit

 

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Wenn es um die Top-Elite im Kletterund Alpinsport geht, kommt man an ihnen nicht vorbei: Den „Huberbuam“. Es gibt nur Wenige, die es in diesem nicht alltäglichen Sport geschafft haben, über außergewöhnliche Leistungen und sportliche Erfolge ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit zu treten, wie die zwei sympathischen Alpinisten aus Bayern (genau, die Jungs aus der Milchschnitten-Werbung). Ob Alpen, USA, Antarktis, Patagonien, Himalaja, Pakistan oder Indien – es gibt kaum einen Ort auf dieser Welt, dem die Zwei nicht bereits einen alpinistischen Besuch abgestattet haben. Alexander, diplomierter Physiker und der Pragmatiker unter den beiden Brüdern, erzählt MF über seinen Werdegang und worauf es ankommt, wenn man ein erfolgreicher Alpinist sein möchte.

Alexander, wie bist Du zum Klettersport gekommen?
Man kann sagen, dass mir der Klettersport in die Wiege gelegt wurde. Mein Vater war ein begeisterter Bergsteiger, und hat Thomas und mich bereits im frühen Alter mit in die Berge genommen. Als ich im Alter von elf Jahren auf meinem ersten Viertausender gestanden bin, war mir sofort klar, dass ich davon noch mehr erleben möchte. Das war für mich so etwas wie ein Schlüsselerlebnis. Sobald es dann ging, waren wir auf unseren Touren als „Huberbuam“ schon alleine unterwegs.

Gab und gibt es ein Konkurrenzdenken zwischen dir und deinem Bruder?
Ich denke, es gibt immer ein Konkurrenzdenken. Zwischen Kindern und Sportlern, genauso wie bei Geschwistern. Mein Bruder war immer mein größter Konkurrent. Was zum Vorteil hatte, dass wir uns immer gegenseitig anspornen konnten und somit wurde, quasi automatisch, das „Team Huberbuam“ mit eingebaut.

Wenn man heutzutage mit dem Klettern anfangen möchte, welches sind die größten Unterschiede zur damaligen Zeit – auch auf den Wettkampfsport bezogen?
In meinen Anfangstagen war das Hallenklettern schlicht nicht existent. Das hat sich erst später entwickelt. Ich kam über das klassische Bergsteigen zum Wettkampfsport. Bei uns kann man sogar sagen, dass es über die Viertausender in die senkrechte Welt des Kletterns ging. Der Großteil der heutigen Szene entstammt der Hallenkletterei. Das gab es zu meiner Zeit noch nicht, hat aber den Vorteil  wetterunabhängig zu sein. Außerdem muss man nicht direkt in den Bergen leben und kann somit jederzeit trainieren.

Welche körperlichen Voraussetzungen braucht man, um zu klettern?
Im Grunde genommen sollte man halbwegs sportlich sein. Wichtig ist es, auf sein Gewicht zu achten. Da ist es egal ob du 1, 60 oder 1,80 Meter groß bist. Die Relation zur Körpergröße sollte passen. Überflüssiges Fett bringt dich nicht weiter. Der Rest liegt an einem selber, wie viel Zeit man investiert und welchen persönlichen Trainingsaufwand man betreibt.

Kannst du unseren Lesern erklären, was Freiklettern eigentlich genau bedeutet, und wie es sich vom herkömmlichen Bergsteigen unterscheidet?
Freiklettern heißt nichts Weiteres als bergsteigen frei von Haken oder weiteren technischen Hilfsmitteln zur Fortbewegung. Klettern durch reine Muskelkraft. Im Gegensatz zum Hakenklettern benutzt man die Haken nur zur Sicherung und nicht als Hilfe zum Weiterklettern. Die Steigerung ist das Free-Solo Klettern. Hierbei gibt es weder Seil noch Haken. Beim Free-Solo ist ein gesundes Selbstbewusstsein Voraussetzung. Wenn man sein Leben teilweise nur der Hand anvertraut, mit der man an einem Überhang hängt, sollte man auch mental bestens vorbereitet sein.

Welche Rolle spielt die Angst in solchen Momenten?
Immerhin kann ein Fehlgriff lebensgefährlich sein. Etwas Angst ist in extremen Situationen immer dabei. Das ist aber auch gut so und hilft bei der Konzentration, da man genau weiß, um was es geht. Man sollte die Angst als Hilfe sehen. Hätte man gar keine Angst, können Fehler leichter passieren.

Wie sieht es mit deinem Trainingsaufwand aus, und wie unterscheidet sich das Training zu herkömmlichen Sportarten?
Heutzutage bin ich, als Sportler gesehen, in erster Linie Alpinist. Ich bin natürlich auch noch Sportkletterer, was ich als Trainingsgrundlage für den Alpinismus nutze. Meiner Erfahrung nach, kann man professionelles Sportklettern auf höchstem Niveau bis ca. 28 Jahre betreiben. In diesem Alter setzt man seinen Leistungshöhepunkt im Sportklettern. Ich habe mich 1996 ganz bewusst dafür entschieden mich vom Sportklettern abzuwenden und mich auf Expeditionen festzulegen. Beides zusammen ist auf höchstem Niveau nicht möglich. Sportklettern ist sehr trainingsintensiv. Das Bouldern in der Kletterhalle ist ein sehr wichtiger Bestandteil (Bouldern, abgeleitet von engl. boulder = Felsblock, nennt man das Klettern ohne Seil und Gurt an Felsblöcken, Felswänden oder in der Kletterhalle in Absprunghöhe, wobei „Absprunghöhe“ ein individueller Begriff ist. / Red.) des Trainings. Beim Bouldern wird eine sehr kleine Muskulatur belastet. Insbesondere der Unterarm ist der entscheidende undhaupttragende Muskel beim Klettern. Bei starker Belastung ist dieser
Muskel nach 2 bis 3 Minuten ausgereizt. Der Körper hat aber so viele Ressourcen, dass man diesen Vorgang nach einer Ruhezeit sehr oft wiederholen kann. Für ein wirksames Training verbringt man schon mal 4 bis 5 Stunden am Boulder. Am Felsen in der freien Natur ist das Ganze eigentlich noch zeitintensiver. Da bin ich schon mal 6 bis 8 Stunden unterwegs, bevor es wieder nach Hause geht. Normalerweise geschieht dies in einem Rhythmus von zwei Tagen.

Betreibst du auch reines Muskeltraining?
Nein, das mache ich nicht. Ich würde zu viel Muskelmasse gewinnen, was sich wiederum beim Gewicht bemerkbar machen würde. In früheren Zeiten gab es noch mehr massige Kletterer. Man findet immer weniger athletische Kletterer. Es scheint so, dass ich zu einer aussterbenden Rasse gehöre (lacht).

Worauf achtest du bei deiner Ernährung?
Ich ernähre mich im Grunde ganz normal. Die Ernährung hängt auch von meinen Projekten ab. Du kannst natürlich auf eine Expedition nicht in der gleichen Verfassung gehen, wie wenn ich vorhabe, eine 11er-Route beim Sportklettern anzustreben. Da achte ich natürlich darauf, den Fettanteil im Körper so gering wie möglich zu halten.

Wie bereitest du dich auf deine einzelnen Projekte vor?
Das hängt immer von der Art des Projektes ab. Wenn ich zum Beispiel vorhabe, Speed-Klettern im Yosemite Valley zu machen, wird, imGegensatz zum Sportklettern, ein sehr explosives Training angesetzt. Steht eine längere Kletter-Tour wie beispielsweise “Drei Zinnen“ an, ist das Training mehr auf Ausdauer angelegt. Hierbei ist nicht nur Maximalkraft wichtig, sondern auch eine gute  Grundlagenausdauer in meiner Klettermuskulatur. Geht es jedoch in Höhen von 7.000 bis 8.000 Metern Höhe, steht die Herz- und Kreislaufbelastung im Vordergrund. Die Grundlagen dafür hole ich mir unter anderem bei Skitouren. Hier geht es nicht um Zeit, sondern um die Höhenmeter, die ich bewältige. Aber bei allem gilt: Man muss ein Gefühl für seinen Körper entwickeln, um die richtige  Entscheidung zu treffen. Hierbei hilft einem natürlich auch die Erfahrung, die man im Laufe der Jahre gesammelt hat.

Mentale Stärke, Einstellung und Vorbereitung ist in deinem Sport extrem wichtig. Wie trainiert man so etwas?
Das ist richtig. Eine starke Psyche ist sehr wichtig, insbesondere beim Solo- Klettern. Am besten beginnt man damit, den Schwierigkeitsgrad langsam und in sehr kleinen Schritten zu steigern. Solange bis man hundertprozentiges Vertrauen für den jeweiligen Grad entwickelt hat. Beim Klettern mit dem Seil kann man vom Risiko immer bis ans Limit gehen. Beim Free Soloklettern gibt es keine zweite Chance. Man sollte also mental bestens vorbereitet sein, wenn man sich in diese Regionen vorwagt.

Apropos Limit. Hast du dein persönliches Limit bereits erreicht? Oder bist du noch auf der Suche?
Ich denke, es gibt immer Grenzen die man noch erreichen bzw. überwinden möchte. Das treibt einen ja auch an. Und sicherlich, die eine oder andere Wand möchte ich als Erstbegeher sicherlich noch bezwingen.

Ein großer Einschnitt in eure Karriere war der Doku-Film „Am Limit“ von Pepe Danquart (Höllentour). In dem Film geht es darum, einen neuen Speedkletter-Rekord am ‚El Capitan‘ im Yosemite Valley in Kalifornien aufzustellen. Obwohl der Versuch misslang, war der Film ein riesiger Erfolg, stellte euch einem breiteren Publikum vor und gewann unter anderem den Bayerischen Filmpreis. Wie erklärst du dir den Erfolg?
Der Film zeigt die emotionalen Seiten von Extrem-Sportlern, wie wir es nun mal sind. Ich denke auch, der Film ist gerade deswegen so gut geworden, weil wir unser Vorhaben nicht geschafft haben. Uns ging es aber auch nicht darum, diesen Rekord für die Öffentlichkeit zu machen. Deswegen habe ich dem missglückten Versuch auch in keinster Weise nachgetrauert. Für mich war dieses Projekt eine Herzensangelegenheit und ein hochemotionales Erlebnis. Letztendlich haben wir den Rekord, sechs Monate nachdem der Film in die Kinos kam, ja noch geknackt. Außerdem haben wir noch den Bayerischen Sportpreis gewonnen, was in solch einer relativ exotischen Sportart sicher nicht jeden Tag vorkommt.

Nach welchen Kriterien triffst du deine Auswahl, wenn du ein neues Projekt in Angriff nehmen willst?
Ein Hauptkriterium ist die Kreativität. Und um kreativ zu sein, sollte man belesen sein und sich in der Geschichte des Alpinismus auskennen. Eine wichtige Inspirations-Quelle sind für mich die Pioniere vergangener Zeiten. Sie helfen einem die Richtung festzulegen und zeigen mir, was interessant sein könnte. Ein gutes Beispiel ist Reinhold Messner. Er war sicher nicht der beste Bergsteiger seiner Zeit – war aber mit Sicherheit der kreativste Geist. Er hat sich immer auf das Wesentliche konzentriert und ist herausgestochen durch seine innovative Kraft. Belesen heißt auch, sich im Vorfeld ausgiebig mit den Gegebenheiten eines Berges zu beschäftigen. Mit dieser Herangehensweise haben Thomas und ich beispielsweise auch den ‚El Capitan‘ in Kalifornien in Angriff genommen und dabei fünf der großen und klassischen Freikletterlinien gelegt. Warum haben die Amis das nicht gemacht? Das hat nicht unbedingt etwas mit technischem Können zu tun. Die Intension, ein Projekt zu bestreiten, hat für mich deshalb immer eine Geschichte im Hintergrund. Möchte z. B. ein Wall-Street Banker den Mout Everest bezwingen, um es sich oder anderen zu beweisen, so soll er dies gerne tun. Ich habe da sicherlich andere Beweggründe.

Abschließend die Frage, was macht ein Extremsportler wie du zur Entspannung in seiner Freizeit?
Ich bin definitiv ein Naturmensch. Fahre gerne Ski oder Mountainbike und gehe im Sommer auch gerne an die Seen meiner bayerischen Heimat zum baden. Ich habe auch eine Zeit in München gelebt, bevorzuge aber definitiv das Leben in der Natur. Meine Devise lautet: Lieber mit Wenig am Berg, als mit Viel in der Stadt…
www.huberbuam.de




Kommentar

One Response to “ALEXANDER HUBER der Weg ans Limit”

  1. Satchell says:

    Action requiers knowledge, and now I can act!

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