EXTREMSPORTLEGENDE HUBERT SCHWARZE 

Extremsportlegende Hubert Schwarze

 

hubert

„Erfolg über Fitness“ lautet bekanntermaßen das Credo unseres Magazins. Ein Mann, der dieses Credo wie kaum ein Zweiter umgesetzt hat, ist der deutsche „Ultraman“ Hubert Schwarz. Seine Leistungen sind mit herkömmlichen Zielsetzungen und Erfolgen eines durchschnittlichen Sportlers nur schwer zu vergleichen. Die meisten der Wettbewerbe, die er bestritt, sind an vorderster Stelle mit dem Wort „Ultra“ gekennzeichnet. Den Gipfel seiner Extrem-Abenteuer stellen zwei erfolgreiche Erdumrundungen dar. Das Faszinierende daran: Hubert startete seine Karriere im zarten Alter von 36 Jahren – ein Alter, bei dem Profi-Fußballer bereits von Rente sprechen. Aber ob jung oder etwas älter: Es ist nie zu spät, seine Ziele und Träume in Angriff zu nehmen. Wie dies am besten funktioniert und umzusetzen ist, und welchen Anteil die „Power of Mind“ daran hat, erzählte Hubert Men’s Fitness.

Hubert, was hatte Dich dazu bewegt im Alter von 36 Jahren Deine gesicherte Existenz als Sozialpädagoge aufzugeben, um den ungewöhnlichen Weg eines Extremsportlers einzuschlagen?
In meinem Job sah ich kaum mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Ich war ein Macher, umringt von bürokratischen Hürden. Im Sport dagegen konnte ich wirklich etwas bewegen und voranbringen. Extremsportler von Berufs wegen zu sein, war nicht unbedingt mein erklärtes Ziel. Ich folgte nur meiner Leidenschaft. Und das waren eben ultralange Distanzen im Sattel.

Den Triathlon kann man als „Einstiegsdroge“ in Dein Leben als Extremsportler bezeichnen. Worin lag der Reiz für Dich, diese damals, Mitte der Achtziger, in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckende Sportart zu betreiben?
Es gab damals schon eine tolle Community mit vielen begeisterungsfähigen Menschen. Meine Heimatstadt Roth begann sich zur Triathlon- Hochburg in Deutschland zu entwickeln. Der Triathlon verschaffte mir jede Menge Erfolgserlebnisse – menschlich wie sportlich. Ich war nie ein überragendes Talent, weder im Schwimmen noch im Radfahren oder Laufen. Aber ich lernte als Triathlet, fleißig zu trainieren, mich zu überwinden und Schritt für Schritt besser zu werden.

Du hast 1989 als erster deutscher Triathlet an allen fünf offiziellen Ironman-Wettbewerben innerhalb eines Jahres teilgenommen. Im Jahr darauf folgte die Teilnahme beim Ultraman in Hawaii, bei dem es gilt, die dreifache Distanz eines Ironman zu bewältigen. Wie sah damals Dein Trainingsablauf aus?
Ich hatte meine Trainingspläne, ja, aber die waren wohl weit weniger wissenschaftlich fundiert als heute. Ich war extrem fleißig und habe alle Disziplinen vor allem im Hinblick auf Grundlagenausdauer gleichmäßig trainiert. Aber die größten Sprünge machte ich durch die Wettkämpfe selbst. Die folgten so kurz aufeinander und setzten so viel Adrenalin frei, dass ich mich gar nicht groß an Trainingsplänen festklammern musste. Es war eine wilde Zeit damals, und ich war noch längst nicht an meinen Leistungsgrenzen angelangt.

Worin liegen die Schwierigkeiten in der Vorbereitung, bei der Umstellung auf die dreifachen Distanzen der einzelnen Disziplinen?
Wer ohne übertriebene Mühe einen Langdistanz-Triathlon durchsteht, hat im Prinzip auch den Ultraman in den Beinen. Der  entscheidende Unterschied liegt im Kopf. Wie kann ich mich immer wieder mental überwinden, diesen Wahnsinn durchzustehen? Körperlich ist man beim Ultraman eh irgendwann am Ende, dann geht es nur noch darum, sich den Rest der Distanz im Kopf einzuteilen – in überschaubare Häppchen am besten. Das Hirn wird dann zum Sklaventreiber. Mein Deal mit Muskulatur und Sehnen sah damals so aus: Ihr schafft das bis zur nächsten Kuppe, bis zur nächsten Versorgungsstation, bis zur nächsten Wendemarke, bis zum Zielstrich – und keinen Meter weiter! Das hat damals funktioniert, aber frag nicht, wie fix und alle ich am Ende war, auch im Kopf. Einmal Ultraman reicht völlig!

Während solch extremer Wettkampfbedingungen gab es sicherlich Momente, in denen man an sich zweifelt. Wie hast Du Dich in solchen Situationen motiviert weiterzumachen und nicht aufzugeben?
Auf ultralangen Distanzen geht es vorwiegend um den eigenen inneren Schweinehund. Mit mentaler Stärke lassen sich körperliche  Grenzen ein gutes Stück verschieben. Wer aber schlecht trainiert hat oder sich eine Verletzung zuzieht, sollte sich nicht mit mentalen Kunstgriffen und eisernem Willen retten wollen. Das wäre fahrlässig. Wenn die körperlichen Grundlagen stimmen, muss man Zweifeln oder sogar Verzweiflungszuständen, die unweigerlich auftreten, entschlossen begegnen, vorbereitet sein. Zweifel können dich ganz schnell binnen Sekunden runterziehen und dich zum Aufgeben bewegen. Ich habe mir zum Beispiel auch damit geholfen, negative gegen positive Gedanken auszutauschen. Aber die muss man parat haben. Am Rande der totalen Erschöpfung haben Zweifel immer leichtes Spiel, sie drängen sich geradezu auf. Das Positive bleibt dann buchstäblich auf der Strecke. Deshalb muss man schon vor dem Start verinnerlicht haben, warum und für wen man sich ins Zeug legt, was das Schöne daran ist. Dann sind positive Gedanken auch verlässlich abrufbar.

Du stehst nicht in den Siegerlisten des Ironman wie beispielsweise Thomas Hellriegel, einer der erfolgreichsten deutschen Athleten auf der Lang-Distanz, der sich den Titel 1997 auf Hawaii sicherte und auch erster deutscher Weltmeister wurde. Stört es Dich im Nachhinein keinen offiziellen Titel gewonnen zu haben?
Nein, es stört mich nicht – aus zwei Gründen. Zum einen wusste ich immer um mein begrenztes Talent. Vor allem das Schwimmen war für mich eine zu große Hürde, um es ganz nach oben zu schaffen. Zum anderen war es für mich meist Ansporn genug, gegen eigene Grenzen anzukämpfen, die eigene Leistung zu optimieren. Mein persönlicher Triumph musste nicht unbedingt die Niederlage eines  anderen sein (Picture). Diese Haltung hat mich stark gemacht und optimal auf das vorbereitet, was ich später im Alleingang als Extremsportler unternommen habe.

1991 hast Du Deine Passion zum Beruf gemacht: Das Radfahren auf lange Distanzen. Beim härtesten Radrennen der Welt, dem „Race Across America“ (RAAM), einem Non-Stop-Rennen von der West- bis zur Ostküste der USA mit einer Länge von rund 5.000 Kilometern, gelang Dir als erster Deutscher die Zielankunft. Was fasziniert Dich an solch langen Distanzen?
Faszinierend an ultralangen Distanzen ist zunächst, dass sich nicht viele solchen Herausforderungen stellen. Man betritt Neuland, wenn man mutig, abenteuerlustig und ausdauernd ist – und wird vielleicht sogar zum Pionier. Beim RAAM ist mir das gelungen. Es hat mich mit einem Schlag bekannt gemacht und mir eine Karriere eröffnet. Im Feld mit hunderten anderen Radsportlern wäre mir dieser Schritt nie geglückt. Darüber hinaus sind extreme Radmarathons eine sehr lehrreiche Erfahrung: Wie im richtigen Leben gilt es, viele  Durststrecken zu überwinden, sich in langen Etappen zu einem großen Ziel durchzuschlagen, sich immer wieder neu mensfitness.de /OKTOBER 2011/ 73 Fotos: Jörg Wurdak, Huber zu motivieren. Man lernt, nie aufzugeben (Picture).

Neben weiteren Rekordfahrten hast Du 1993 den australischen Kontinent in nur 42 Tagen umrundet –bei einer  Gesamtlänge von 14.183 Kilometern ein Guinnessbuch-Rekord. Worin besteht der Unterschied, ein Langdistanz-Rennen alleine zu bestreiten, im Gegensatz zu einem Wettkampf mit anderen Teilnehmern?
Als Solist muss ich mich schon im Vorfeld um alles selbst kümmern: um Organisation, um Logistik und Crew. Ich bin Veranstalter und Teilnehmer in einer Person. Wer im Sattel lange Zeit mit sich allein ist, muss diese Herausforderung im Kopf ganz und gar annehmen – vom ersten Kilometer an. Es gibt keinen Windschatten, keinen Schicksalsgefährten, keinen Leidensgenossen.

Welches sind die größten Aufgaben, die der Körper in diesem Zeitraum zu bewältigen hat?
Für mich sind es zwei Dinge: Der Körper muss sich in kurzer Zeit gut regenerieren können, und er muss im Zweifel den Befehlen gehorchen, die vom Kopf kommen. Kraft und Ausdauer, selbst wenn reichlich vorhanden, haben auf Dauer ihre Launen, denen man am besten mit Zuckerbrot und Peitsche begegnet.

Wie wichtig ist die richtige Ernährung?
Ich habe am Anfang in dieser Hinsicht einige gravierende Fehler gemacht, unter anderem mit Flüssignahrung. Vergiss das alles. Ich gehe längst nicht mehrmit irgendwelchen Pülverchen oder Wunderrezepten auf Tour. Richtige Ernährung beginnt nicht erst mit dem Wettkampf. Sie ist heute Teil einer Lebenseinstellung, und das zu Recht. Wer sich im Alltag gesund ernährt, etwa unter Anleitung eines Arztes oder geschulten Beraters, wird daran im Sattel auf ultralangen Distanzen nicht viel ändern müssen. Ein ganz pragmatischer Tipp: Versuche bei wirklich langen Trainingseinheiten herauszufinden, welche Nahrung der Körper garantiert in geordneter Form wieder ausscheidet. Nichts nervt im Sattel mehr als Montezumas Rache.

1995 durchquertest Du den roten Kontinent erneut, diesmal von West nach Ost, und bestrittest innerhalb des gleichen Jahres das „Iditabike“- Race, ein Querfeldein-Rennen im winterlichen Alaska – extreme Kälte und Hitze in kürzester Zeit. Einfach gefragt: Wie funktioniert das?
Wenn der Körper durch entsprechende Kleidung vor der extremen Kälte gut geschützt ist, ist die körperliche Herausforderung kaum anders als bei sengender Hitze. Den Unterschied machen Schnee und Eis. Darauf mit dem Rad die Balance zu halten und einigermaßen schnell voranzukommen, grenzt manchmal an Akrobatik. Beim „Iditabike“ musste ich mein Mountainbike einmal sogar mehr als hundert Kilometer weit schieben, weil ich mit viel zu schmalen Reifen unterwegs war, die ständig im Schnee einbrachen. Der Kontrast zwischen Australien und Alaska, zwischen rotem Glutofen und weißer Kältekammer, war im Übrigen überhaupt nicht schwer zu verkraften. Ich war einfach nur stolz und glücklich, dies alles in so kurzer Zeit erleben zu dürfen. Neugier und Mut öffnen oft Wege, die anderen als unfahrbar gelten.

Sportliche Höhepunkte Deiner Karriere bildeten sicherlich Deine zwei Weltumrundungen („In 80 Tagen um die Welt“) und als Sonderbotschafter der Expo 2000 (22- bis 25.000 Kilometer auf fünf Kontinenten). Welchen Anteil hatte Deine Philosophie „Power of Mind“ an diesen Erfolgen und was möchtest Du damit ausdrücken?
Die Philosophie „Power of Mind“ hebt darauf ab, dass mehr in uns steckt, als wir uns selbst und andere uns zutrauen. Wir müssen dazu die mentale Stärke und den Mut aufbringen, unsere Komfortzone zu verlassen und Wagnisse einzugehen, anstatt einer allgemeinen Vernunft zu folgen, die das Risiko scheut und den Status quo rechtfertigt. Die beiden Weltumrundungen waren der Gipfel meiner extremsportlichen Laufbahn. Niemand hatte mir das anfangs zugetraut. Aber ich habe es gewagt, meine Träume in die Tat umzusetzen. Beharrlich. Schritt für Schritt. Und wenn ich das kann, kann das im Prinzip jeder andere auch. In welchem Metier auch immer. Dafür steht „Power of Mind“ – erfolgsorientiertes Denken und Handeln.

1997 hast Du den Kilimandscharo, den höchsten Gipfel Afrikas, in nur 24 Stunden bezwungen und damit auch gleichzeitig den Grundstein für Deine eigenen Touren gelegt. Was auch zur Folge hatte, kombinierte Rad- und Bergtouren in Angriff zu nehmen. Eine 4.000 Kilometer lange Tour über die Anden folgte 1998. Welche Herausforderungen für Körper und Geist gilt es in dieser Kombination zu bestehen?
Die größte Herausforderung besteht darin, in dünner Höhenluft eine sportliche Leistung bringen zu müssen – als Radfahrer ebenso wie als Bergsteiger. Ich bin aber kein Extremkletterer, sondern bezwinge die Gipfel auf normalen Routen wie viele andere auch. Der Reiz des Ganzen liegt sicher in der Kombination beider Sportarten. Meine Bergabenteuer beginnen nicht im Basislager, sondern auf Meereshöhe. Der Weg ist hier das eigentliche Ziel. Er führt mich durch unterschiedlichste Landschaften und Klimazonen. Es ist mehr Abenteuer und Naturerlebnis denn knallharter Sport.

Mittlerweile sind Deine körperlichen Vorbereitungen den logistischen mehrheitlich gewichen. Du zählst seit mehreren Jahren zu den profiliertesten Personen der Vortrags- und Motivationsbranche, hast mit Deiner Frau Renate die Hubert-Schwarz-Stiftung zur Unterstützung von Kinderhilfsprojekten in aller Welt gegründet, veranstaltest Deine eigenen Adventure-Reisen und hast ein Team von renommierten Experten in allen Bereichen des Gesundheitsmanagements in Deinem Zentrum vereint. Dein neuer Extremsport?
Nein, kein neuer Extremsport, sondern Dinge, die mir ung heuren Spaß bereiten. Die Stiftung ist eine Herzensangelegenheit, mit der  meine Frau Renate und ich etwas von unserem Erfolg zurückgeben wollen. Zum Beispiel unterhalten wir in der Kilimandscharo-Region, wo auch unsere Abenteuerreisen hinführen, zwei Schulen für Kinder sozial schwacher Familien. Das Hubert-Schwarz-Zentrummit seinen Seminarangeboten im Ernährungs- und Gesundheitsbereich fordert uns als Unternehmer tagein tagaus. Du siehst, der Extremsportler Hubert Schwarz ist eigentlich gar nicht mehr so wichtig. Was ich heute tue? Menschen bewegen! Menschen aus ihrer Komfortzone locken, damit sie etwas bewegen – für sich und für andere. Das ist meine Leidenschaft, mit der sich aber auch in Zukunft das eine oder andere Radabenteuer verbinden lässt.




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