OLIVER KAHN 

Oliver Kahn

 

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Wenn es um Einsatz, Leidenschaft und Erfolg geht, kommt man an Oliver Kahn nicht vorbei.
Egal ob man nun Fan des ehemaligen Bayern-/National-Keepers und dreimaligen Welttorhüters ist, oder auch nicht – seine Vorbildfunktion im deutschen Fußball ist unumstritten. Der Mann hat weder Gegner noch sich selbst geschont, um seine sportlichen Ziele zu erreichen und das Beste aus sich herauszuholen. Oliver Kahn ist die Blaupause unseres MF-Credos „Erfolg über Fitness“, in körperlicher, wie auch mentaler Hinsicht. Was es bedeutet, sich über einen längeren Zeitraum auf sportlich höchstem Niveau zu bewegen, und ob er aus heutiger Sicht einige Dinge anders gemacht hätte, hat er MF im Interview erzählt.

 

 

Was macht in Ihren Augen den Unterschied zwischen einem guten Sportler und Ausnahmesportlern wie Ihnen, einem Messi oder einem Ronaldo aus?
Ich denke, dass die Beständigkeit, sich auf Top-Niveau zu bewegen und ohne größere Leistungsschwankungen über einen längeren Zeitraum zu spielen, ausschlaggebend ist. Aus der Sicht eines Torwarts ist der mentale Aspekt sehr wichtig. Es gibt und gab sicherlich einige Talente, die besser waren und mehr Talent hatten als ich, den großen Durchbruch aber aufgrund der mentalen Einstellung oder anderen äußeren Umständen nicht geschafft haben.

 

 

Sie haben 1987 im Alter von 18 Jahren Ihr erstes Bundesligaspiel für den KSC bestritten und sind 1994 zum FC Bayern gewechselt.

Hatten Sie sich das bewusste Ziel gesetzt, eines Tages die Nummer Eins im deutschen Fußball(tor) zu werden?
Als ich mit 18 Jahren zu den Profis kam, habe ich schon gemerkt, dass da noch einiges fehlt. Aber grundsätzlich kann ich die Frage mit einem Ja beantworten. Ich habe mir allerdings immer ein Ziel nach dem anderen gesetzt. Von der Nummer Eins beim KSC, über die Bayern, bis in die Nationalelf. Das ist aber nur möglich, wenn man körperlich, im Training, aber auch im Kopf hart an sich arbeitet und stets fokussiert bleibt.

 

 

Auf dem Platz waren Sie immer eine polarisierende Person. Speziell auf gegnerischem Terrain.

Wie haben Sie es während der 90 Minuten geschafft, alles, was um Sie herum passierte, auszublenden und konzentriert zu bleiben?
Ich glaube, eine Grundeigenschaft von mir war die besondere Konzentrationsfähigkeit, sodass ich mich immer auf den Punkt konzentrieren konnte. Wenn ich auf den Platz ging, schaltete sich bei mir ein Automatismus ein und ich habe von außen her nichts mehr wahrgenommen. Man kann es auch als Routine bezeichnen, die mich dann auf das Wesentliche fokussierte und gleichzeitig meine Konzentration aufbaute. Der Reiz lag auch in der Herausforderung. Wenn man bei Bayern spielt, kann man sich, insbesondere bei Auswärtsspielen, immer auf eine besondere Atmosphäre einstellen. Aber das weiß man vorher und kann sich dementsprechend vorbereiten. Hinzu kommt noch, dass das Ganze auch Spaß macht und der Adrenalinspiegel vor solchen Spielen im oberen Bereich liegt.

 

„Damals hätte ich gesagt, dass
alles super und sinnvoll war.
Im Nachhinein frage ich mich
allerdings, ob es das wirklich
gebraucht hätte“

 

Dass Profispieler auch sehr viel Zeit im Training und Trainingslagern verbringen, wird von außen oft nicht wahrgenommen.

Waren die Trainingssessions mehr Pflichtprogramm für Sie, oder haben Sie sich darauf gefreut?
Ich hatte schon immer die Eigenschaft, viel Spaß am Training zu haben, sehr viel zu trainieren und sehr viel Leidenschaft zu entwickeln. Das hat mich vielleicht auch von dem ein oder anderen unterschieden. Bereits mit 15 oder 16 Jahren habe ich Fitnessstudios besucht, um meinen Körper vom überflüssigen Fett zu befreien und muskulöser zu werden. Damals hatten die Studios noch dieses „Rocky-Flair“ und sind mit dem heutigen Standard nicht zu vergleichen. Diese Disziplin habe ich immer aufrechterhalten, und das Fitnesstraining gehörte während meiner gesamten Karriere zum Standard, zwei- bis dreimal die Woche mindestens. Nur so habe ich mich beim Training und dem Platz wohlgefühlt. Meine Grundübungen habe ich auf diesem Level bis Ende Dreißig durchgezogen – ohne Ausnahme!

 

Gab es Einheiten, die Sie lieber ausgelassen hätten?
Damals hätte ich gesagt, dass alles super und sinnvoll war. Allerdings muss ich mal sagen, dass ich vierzig Prozent weniger Trainingsaufwand hätte betreiben können. Diese vierzig Prozent waren nämlich freiwillig. Im Nachhinein frage ich mich allerdings, ob es das wirklich gebraucht hätte (lacht). Für mich war es letztendlich eine Sache, um mich gut zu fühlen. Mit dreißig Jahren habe ich dann die Quantität durch Qualität ersetzt und angefangen etwas weniger, dafür gezielter zu trainieren. Einen solch hohen Trainingsaufwand kann man nicht ewig betreiben.

 

Wie wichtig ist die richtige Einstellung im Training generell?
Man hat oft das Gefühl, dass der ein oder andere Spieler denkt, es ist genug, wenn ich meine Leistung im Spiel abrufe.

Wer nicht bereit ist, sich im Training zu quälen, ständig an seine persönlichen Grenzen zu gehen, seine Limits auszuloten, sich immer wieder zu steigern, und das konsequent bis ans Ende seiner Karriere, der wird schneller stagnieren, als er denkt, egal welchen Sport man betreibt. Wer beim Training keinen Spaß hat, wird es schwer haben, Top-Leistungen abzurufen.

 

 

Ist ein muskulöser Körper von Vorteil als Torwart?
Das ist auch eine mentale Sache. Wenn man mit einem austrainierten Körper auf den Platz geht, fühlt man sich sicherer, und die optische Auswirkung auf den Gegner ist ebenfalls von Vorteil. Das hat sich allerdings im Laufe der Zeit etwas geändert. Heutzutage sind die Torhüter etwas schlanker. Wenn dich einer im Spiel etwas ungünstig erwischt, dann hilft auch der muskulöseste Körper nichts mehr. In der heutigen Zeit wird die Muskulatur sinnvoller aufgebaut, nämlich da, wo man sie wirklich braucht, nicht so, wie bei mir früher (lacht).

 

 

Wie wichtig ist Kardio-Training für einen Torwart?
Als Torwart müssen Sie ja nicht so viel laufen…

Ich glaube, das habe ich mich zwanzig Jahre gefragt (lacht). Heutzutage gibt es ja zwei grundverschiedene Philosophien. Viele Trainer setzen nur noch auf ein fußballspezifisches Training. Das heißt, keine Kardio-, Wald- oder Ausdauerläufe mit gleicher Geschwindigkeit. Ich habe früher nach den Spielen immer einen 45-minütigen Waldlauf gemacht. Zur Regeneration und mentalen Erholung. Das mache ich auch heute noch mindestens zwei- bis dreimal die Woche. Ich denke, es gibt nichts Besseres, um Herz und Kreislauf in Schwung zu halten. Ich liebe es grundsätzlich, zu laufen. Selbst während eines 90-minütigen Trainings im Studio, unterbreche ich die Übungen immer wieder mit Intervall-Läufen auf dem Laufband. Variation im Training ist mir sehr wichtig, und ich halte es auch für effizienter als diese spezifischen Extrem-Workouts.

 

 

Sie waren und sind ein Vorbild in Sachen Einsatz/Motivation, und Sie haben so gut wie alles gewonnen. Was war es, das Sie motiviert hat, nach all den Erfolgen immer wieder „alles“ zu geben?

Motivation ist abhängig von zwei Faktoren: Der Zielsetzung und der Herausforderung. Ohne Zielsetzung geht in meinen Augen nichts. Dazu
kommt die Herausforderung, bereits Erreichtes zu wiederholen, wie beispielsweise der Titel des Welttorhüters. Eine Hauptmotivation bei Spitzensportlern, die bereits alles gewonnen haben, ist es auch, sich immer wieder selbst zu beweisen. Ausnahmeathleten wie Roger Federer, Michael Schuhmacher oder auch Tiger Woods sind die besten Beispiele.

 

 

Woher haben Sie Ihre Motivation genommen, in Zeiten, in denen es nicht optimal für Sie gelaufen ist?
Diese Zeiten können sehr anstrengend sein und auch viel Kraft kosten. Insbesondere wenn man Dinge von außerhalb oder von privater Seite zu bewältigen hat. Das halte ich teilweise für sehr problematisch. Zum Teil kann man es ausblenden, doch generell würde ich empfehlen, etwaige Probleme vorab zu lösen, um anschließend wieder Vollgas zu geben.

 

 

Sie sagten einmal, ich zitiere, „es ist schon verrückt, was der Fußball aus einem macht“. Was hat der Fußball aus Ihnen gemacht?
Wenn ich heutzutage Ausschnitte aus früheren Spielen sehe, muss ich schon mal schmunzeln und mich fragen, ob ich das wirklich bin, den ich da gerade sehe. Die Torwartposition bringt schon einiges mit sich. Toni Schuhmacher sagte mal, „auf dieser Position gibt es keine Gerechtigkeit“. Held und Verlierer liegen auf dieser Position sehr nahe beieinander, denn man kann Spiele entscheiden, sei es positiv oder negativ. Dieses Spannungsfeld macht es einem Torwart nicht immer einfach. Der Beruf des Torwarts ist schon eine sehr emotionale Geschichte.

 

 

Der Titel des Weltmeisters ist Ihnen verwehrt geblieben. Sie haben 2002 eine fantastische WM gespielt, in der Ihnen im Endspiel gegen Brasilien leider ein Fehler unterlaufen ist. Wie sehr hängen Sie als extrem erfolgsorientierter Sportler diesem Finale zehn Jahre später noch nach?
Ich muss sagen, es berührt mich überhaupt nicht mehr. Ich habe mittlerweile gelernt, dass alles, was ich heute tue, sei es privat oder in meinem beruflichen Leben, nichts mit der Tatsache zu tun hat, ob wir damals Weltmeister geworden wären oder nicht. Sicher wäre es schön gewesen, keine Frage, es hätte aber an meinem heutigen Leben sicher nichts geändert. Von menschlicher Seite hat es mir im Nachhinein sogar eine positive Entwicklung gebracht. Damals war ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Wenn ich auch noch den Weltmeistertitel geholt hätte, wer weiß ob es sich im Nachhinein positiv auf mich ausgewirkt hätte. Ich denke, es war schon ganz gut so, wie gelaufen ist.

 

 

Sie haben nie für einen Verein im Ausland gespielt. Gab es Gründe dafür, oder bestand niemals eine Absicht Ihrerseits?
Ich war beim FC Bayern München, dem in meinen Augen damaligen besten Verein der Welt. Vom sportlichen wie auch vom finanziellen Aspekt gab es keinerlei Gründe, den Verein zu wechseln. Damals dominierten wir über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren die Champions League. Das prägen einer Ära war mir letztendlich auch wichtiger, als von einem Club zum anderen zu wechseln. Spielertypen wie Jürgen Klinsmann haben diese Philosophie eher verfolgt.

 

 

Welche Rolle spielt der aktive Sport aktuell in Ihrem Leben? Was machen Sie für Ihren Körper?
Viel zu wenig (lacht). Man kann das nicht mal im Ansatz kompensieren. Für mich, der immer sehr viel trainiert hat und für meinen Körper war die Umstellung schon ein Schock. Die ersten eineinhalb Jahre, nachdem ich aufgehört habe, waren für mich mental und körperlich sehr schwierig. Das hat schon bei der Ernährung angefangen, die man mit weniger Training letztlich umstellen muss. Aber auch in meinem heutigen Leben nehme ich mir neben den vielen geschäftlichen Aktivitäten die Zeit, zwei- bis dreimal die Woche Waldläufe zu bestreiten, ins Fitnesscenter zu gehen und meinen Körper zu pflegen. Ich möchte nicht das Schicksal teilen, achtzehn Löcher Golf nur noch unter Schmerzmitteln zu bestreiten. Meine Vorgängergenerationen hatten es da schon um einiges schwieriger, da damals noch nicht so viel Augenmerk und Vorsorge auf die Zeit nach der Karriere gelegt wurde.

 

 

Als ehemaliger Bayernspieler muss ich Sie natürlich fragen, wer diese Saison die Schale holt und warum?
Bayern hat natürlich den Anspruch, den Meistertitel zu gewinnen. Mit dem Finale in München wird sicherlich das Ziel eines Champion League-Sieges hohe Priorität besitzen. In diesem Wettbewerb ist alles möglich. In der Bundesliga wird es sicher einen harten Kampf mit Borussia Dortmund geben, die den Vorteil haben, den Rest der Saison mit einer geringeren Belastung zu spielen, da sie international nicht mehr vertreten sind und sich voll auf die Meisterschaft konzentrieren können. Es wird sicher keine leichte Aufgabe für die Bayern und ein spannendes Saisonfinale geben.




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