WATERPROOFED SCHWIMM-ASS PAUL BIEDERMAN 

Waterproofed Schwimm-Ass Paul Biederman

 

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Der Mann steht in einer Reihe mit Sportlegenden wie Boris Becker, Michael Schuhmacher oder Michael Groß. Der deutsche Sportler des Jahres 2009 und mehrfache Welt- und Europameister, gewährt MF exklusive Einblicke in seine Vorbereitung auf die kommende WM und erklärt uns sein Trainingsprogramm. Was es braucht, um Topleistungen im Schwimmbecken abzurufen und warum er den Iron Man in Hawaii in diesem Leben wohl nicht mehr gewinnen wird, lesen Sie hier.

P aul, Du kommst gerade zurück von den deutschen Meisterschaften (DM) in Berlin. Du hast Dir die Titel über 200 und 400 Meter Freistil gesichert. Wie zufrieden bist Du mit Deinen Ergebnissen?
Ich bin mit meiner Leistung bei der DM soweit zufrieden. Ich bin die persönlich schnellsten Zeiten (in Jammers) geschwommen, die ich jemals bei einer Deutschen Meisterschaft erzielt habe. Nun freue ich mich auf die bevorstehende WM!

Siehst Du die deutsche Meisterschaft als Gradmesser zur Vorbereitung auf die WM in Schanghai? Welche Ziele hast Du Dir dort vorgenommen?
Die DM war dabei nur eine Durchgangsstation. Ich habe mich dafür noch nicht so vorbereit, wie ich es bei der Weltmeisterschaft machen werde. In Schanghai ist es mein Ziel, meine beiden Weltmeistertitel zu verteidigen! Wie lange dauert die spezifische Vorbereitungszeit auf solch eine Meisterschaft, und wie unterscheidet sie sich von Deinem herkömmlichen Training? Ich trainiere in etwa fünf Stunden am Tag. Aufgeteilt in vier Stunden Wassertraining und einer Stunde Kraft- oder Bauch-Rücken-Training.Vor einem wichtigen Wettkampf reduziert man die Trainingskilometer im Wasser und konzentriert sich mehr auf das Speed- und Sprintkrafttraining. Durch das vereinfachte Trainingsprogramm erholt sich der Körper und wird leistungsstärker – eine wichtige Voraussetzung, um fit in den Wettkampf gehen zu können.

Schwimmer sind bekannt für einen perfektaustrainierten Körper. Zuviel Muskelmasse kommt der Bewegung nicht zu Gute. Trainierst Du deswegen gezielt, oder ergibt sich das automatisch?
Das Schwimmen trainiert den ganzen Körper. Es gibt nur wenige Muskelpartien, die dabei nicht angesprochen werden, z. B. die seitliche Bauchmuskulatur. An Land versuchen wir diese Defizite dann speziell mit Bauch- und Rückenmuskulaturtraining auszumerzen. Ansonsten arbeiten wir im Kraftraum viel mit dem eigenen Körpergewicht und an freien Geräten. Dies fördert nochmals zusätzlich den Aufbau der Muskulatur.

Wo siehst Du Deine Stärken bei Deinem Schwimmstil?
Beim Gleiten im Wasser. Ich habe mir über die Jahre ein Gefühl für das Wasser aneignet. Ich spüre sofort, ob ich gut im Wasser liege oder ob es noch Defizite gibt. Außerdem bekomme ich die Kraft vom Landtraining ganz gut ins Wasser umgesetzt. Es nützt beim Schwimmen nichts, 150 Kilogramm auf der Bank zu drücken, wenn man diese Kraft im Wasser nicht umsetzen kann.

Gibt es bei Dir in Deinen Augen noch etwas zu verbessern, ein Manko das Du optimieren möchtest?
Ich muss noch an meinen Wenden arbeiten. Und meine Reaktionszeit am Start ist noch zu langsam. Meist springe ich den anderen noch hinterher (lacht).

Welchen Anteil hat die richtige Ernährung? Worauf achtest Du?
Ernährung ist im Sport generell sehr wichtig. Durch das richtige Essen kann sich der Körper besser regenerieren oder die Muskulatur schneller aufbauen. Ich achte darauf, mich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren. Aber ich übertreibe es nicht. Ich habe nun mal eine Schwäche für Burger und diese gönne ich mir auch einmal im Monat. Es kommt natürlich immer auf die Menge an. Essen ist auch eine Belohnung! Wenn ich immer nur Salat und wenig Fleisch essen dürfte, würde ich sehr schnell schlechte Laune bekommen. Und dies fördert das Training nicht unbedingt.

Gönnst Du Deinem Körper auch Auszeiten? Gibt es Zeiten, in denen Du das Training komplett außen vor lässt, um zu regenerieren?
Ja, nach der WM werde ich mir beispielsweise zwei bis drei Wochen Pause gönnen. Da heißt es Füße hochlegen und entspannen! Das ist mein einziger Urlaub im Jahr. Die restliche Zeit des Jahres bin ich immer im Training.

Für Einsteiger: Worauf sollte man achten, wenn man sich intensiver mit dem Schwimmsport beschäftigen und an Wettkämpfen teilnehmen möchte? Gibt es körperliche Voraussetzungen?
Grundsätzlich gibt es keine körperlichen Voraussetzungen für den Schwimmsport. Man sollte das Schwimmen aber wenigstens einmal „erlernt“ haben. Gerade zu Beginn kann man sich in relativ kurzer Zeit sehr verbessern. Nach einigen Trainingseinheiten wird man ein Körpergefühl für das Wasser entwickeln und sehr schnell neue Bestzeiten schwimmen. Man sollte sich aber gerade am Anfang nicht zu viel zutrauen und sich langsam an die Distanzen herantasten. Dabei sollte man immer auf den Körper hören. Friere ich bei der Schwimmbewegung? Dann lieber schnell raus und sich aufwärmen und etwas ausruhen. Am besten verbessert man seine  Schwimmtechnik, wenn man einen Trainer dabei hat. Dieser kann Tipps von „außen“ geben. Dies bietet einem gerade am Anfang die Möglichkeit, die Techniken richtig zu erlernen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es später schwer wird, die manifestierten Techniken noch einmal umzustellen.

Du bist einer der erfolgreichsten Schwimmer weltweit, hast 5 Welt-, 11 Europa- und unzählige deutsche Rekorde  aufgestellt, bist im Besitz von 3 WM- und 6 Europameister-Titeln. Was motiviert Dich nach all diesen Erfolgen, weiterhin Höchstleistungen abzurufen?
Ich liebe das Schwimmen einfach. Ich freue mich beispielsweise sehr auf die Olympischen Spiele. Ich sehe das aber nicht nur als eine reine Sportveranstaltung. Sicher ist es mein Ziel erfolgreich zu sein und möglichst viele Medaillen zu gewinnen. Gleichzeitig ist es aber auch der Spaß, den ich dabei empfinde, wenn ich meinen Sport ausübe.

Dein Sieg über 400 Meter Freistil im Dezember bei der Kurzbahn- WM in Dubai war Dein erster erfolgreicher Auftritt nach einer längeren sportlichen Durststrecke im Jahr 2010. Wie wichtig war dieser Erfolg für Deine Zukunft und Dein Selbstvertrauen?
Also, ich habe im Jahr 2010 folgendes erreicht: 1 x Weltmeister auf der Kurzbahn, 2 x Europameister (1 x Langbahn, 1 x Kurzbahn), 3 x Vizeeuropameister (2 x Langbahn, 1 x Kurzbahn) und 4 x Deutscher Meister. Ich habe in dieser Zeit genug Wasser geschluckt, um nicht durstig zu sein.

Hattest Du sportliche Vorbilder zu der Zeit, als Du mit dem Schwimmen begonnen hattest?
Nein, hatte ich eigentlich nie. Aber einen Sportler, den ich in dieser Hinsicht sehr schätze – sportlich wie menschlich – ist Matthias Steiner (Gewichtheber und Olympiasieger, Red.).

Wäre Triathlon eine Option für Dich gewesen? Hast Du schon mal an einem Wettkampf teilgenommen?
Ja, ich habe schon an zwei oder drei Triathlon-Events teilgenommen. Beim Schwimmen war ich immer gut mit vorne, aber sobald es in die Wechsel und aufs Rad und zum Laufen ging, sind die Leute scharrenweise an mir vorbei. Ich musste mir eingestehen, dass ich nun mal kein Läufer-Typ bin (lacht).

2014 findet die Europameisterschaft in Berlin statt. Dein Wunsch war es, zu Deiner aktiven Zeit noch eine große Meisterschaft in Deutschland zu bestreiten. Was bedeutet dieser Event für Dich persönlich, und mit welcher Einstellung gehst Du in diesen Wettkampf?
Auf jeden Fall freue ich mich sehr darauf. Bis dahin ist noch eine Menge Zeit, aber ich glaube, dass diese Schwimm-EM für alle deutschen Teilnehmer etwas ganz besonderes sein wird. Ich habe aber die grundsätzliche Einstellung mein Bestes zugeben, unabhängig von der jeweiligen Veranstaltung.

Wie verlaufen die letzten Wochen der Vorbereitung?
Ich werde nochmal für 14 Tage nach Teneriffa fliegen, um dort wieder einige harte Trainingseinheiten zu absolvieren. Danach bin ich noch für eine Woche zuhause, bis es dann zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung nach Berlin geht.

Mit welcher Erwartungshaltung reist du zur WM nach Schanghai, und welche Bedeutung hat die WM für Dich, auch mit Blick auf Olympia 2012 in London?
Ich möchte in Schanghai meine beiden Weltmeistertitel verteidigen! Die Weltmeisterschaft ist der letzte große Test vor Olympia. Allerdings haben die Olympischen Spiele ihre eigenen Regeln als Wettkampf. Von daher ist es schwierig, die Ergebnisse von der WM auf die Spiele umzumünzen.

Was muss man zum Beispiel in Bezug auf die Zeitverschiebung berücksichtigen?
Es gibt eine Regel die besagt, dass man pro Stunde Zeitverschiebung einen Tag braucht um sich anzupassen. Aber das ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Wir möchten jedenfalls nichts dem Zufall überlassen und reisen deswegen früh genug an, um uns rechtzeitig auf die Bedingungen umstellen zu können.

Kommt es wieder zum großen Duell gegen Michael Phelps?
Das hoffe ich doch. Aber es wäre allerdings vermessen, wenn man nur auf uns beide schauen würde. Wir beide sind nicht die einzigen Schwimmer im Wasser. Außerdem würde dies auch allen anderen Konkurrenten in die Karten spielen, wenn ich mich nur auf Michael konzentrieren würde.

Welche Rolle spielt es, dass im Gegensatz zum Doppelsieg bei der WM 2009 in Rom keine High- Tech-Anzüge mehr getragen werden dürfen?
Wir haben jetzt ein Jahr mit den neuen Jammers (Schwimmhosen; Red.) schwimmen können. Welchen Unterschied es macht, kann man erst nach der WM mit allen Ergebnissen sagen. Aber ich glaube nicht, dass viele Weltrekorde fallen werden.

Wird es generell ohne die sogenannten Wunderanzüge in Schanghai wieder Weltrekorde geben?
Ich denke schon. Vor allem auf den 1500 Metern Freistil ist der junge Chinese dem Weltrekord schon sehr nahe gekommen. Und dieser Weltrekord von Grant Hackett ist ohne Anzug erschwommen worden.

Wer könnten die internationalen Stars der WM werden? Die „alten Bekannten“ oder gibt es neue Gesichter?
Ich denke, ein Mix aus beidem.




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