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Pro-Talk mit Bernd Flessner

 

Windsurf

Die Einen reden vom Soul, die Anderen steigen einfach aufs Board, legen los und haben Spaß. Zu ‚den Anderen‘ gehört Surflegende Bernd Flessner, seines Zeichens Deutschlands erfolgreichster Windsurfprofi und Gewinner zahlreicher nationaler und internationaler Titel. Worauf es beim Surfen ankommt erzählte der sympathische Trekkie-Fan MF.

Bernd, Du kommst gerade zurück von der IFCASlalom-Weltmeisterschaft und konntest Dir zum zweiten Mal nach 2009 den WM-Titel sichern. Nach all Deinen Erfolgen – wie schaffst Du es Dich zu motivieren, um solche Höchstleistungen abzurufen?

Ich denke das liegt an meinem Charakter. Ich habe mich schon immer sehr intensiv und gewissenhaft auf Wettkämpfe vorbereitet. Herausforderungen wie eine WM oder DM haben Ihren eigenen Reiz und dafür lohnt es sich zu schuften. Ich wundere mich allerdings manchmal selbst, woher ich meine Motivation beziehe.

Wie bereitest Du Dich auf solch einen Wettkampf vor und wie sieht Dein Training aus?

Ich versuche vor solchen Wettkämpfen 3 mal täglich zu trainieren. Das beste Training fürs Windsurfen ist Windsurfen. Vormittags setze ich mich eine Stunde auf das Mountainbike und nachmittags wird im Gym Kraftausdauer trainiert. Mittlerweile bin ich 42 Jahre alt und habe 25 Jahre Profiwindsurfen auf dem Buckel. Deshalb ist gezieltes Training und Regeneration angesagt. Dieser Mix aus Be- und Entlastung ist sehr wichtig!

Welche Voraussetzungen sind notwendig, um generell ein erfolgreicher Windsurfer zu werden?

Generell ist es gut, wenn man groß und etwas schwerer ist. Größe und Gewicht bedeuten mehr Geschwindigkeit, was in den Race-Disziplinen Slalom- und Kursrennen von Vorteil ist. Talent sollte man natürlich besitzen und es schadet nicht, wenn man nah am Wasser lebt. Für mich ist Norderney natürlich ideal, denn hier habe ich perfekte Trainingsbedingungen und kann jeden Abend im eigenen Bett schlafen.

Neben dem technischen Aspekt – Was ist wichtiger beim Windsurfen, Kondition oder Muskelkraft?

Kraftausdauer ist sehr wichtig, denn die Belastungen für die Muskulatur ist während des Rennens enorm. Da muss ich schon mal länger die Spannung halten und das kann bei einer Regatta über mehrere Tage ziemlich an die Substanz gehen. Arme, Beine und die Rückenmuskulatur werden beim Surfen sehr beansprucht.

Du giltst als erfolgreicher Allrounder und sehr nervenstark. Ist mentales Training ein Teil Deines Erfolgsrezeptes?

Mentale Stärke ist sehr wichtig im Wettkampf. Wichtig ist es, dass ich mich im entscheidenden Moment des Wettkampfs konzentrieren kann und meine Nerven beisammen habe. Es gibt viele „Trainingsweltmeister“ die sehr gut Windsurfen können, aber in den entscheidenden Minuten des Wettkampfs ihr Potenzial nicht abrufen können. Für mich ist der Rhythmus sehr wichtig. Wenn ich den gefunden habe, läuft das meiste von alleine. Man ist wie in einem Tunnel und von der Vorbereitung bis zum Rennen läuft alles unter demselben Schema ab. Ich habe mich in den zurückliegenden Jahren auch sehr viel mit der Psyche im Sport auseinandergesetzt, Bücher gelesen und Seminare belegt.

Wie hoch ist das Verletzungsrisiko beim Windsurfen?

Bänderdehnungen und Platzwunden sind die häufigsten Verletzungen. Zum Glück sind schlimmere Verletzungen nicht an der Tagesordnung. Wenn man besonnen trainiert, kann man einigermaßen verletzungsfrei über die Runden kommen. Im Wettkampf gibt es aber keine Schonung und es kann
immer wieder mal etwas passieren.

Du warst rund eine Dekade unter den Top-10 der erfolgreichsten Windsurfer weltweit. Gab es einen Moment in Deiner Karriere den Du niemals vergessen wirst?

Da gab es eine Menge! Meine erste DM 1992 auf Sylt zählt mit zu den schönsten Regatten. Die WM auf Taxel, zählt zu den drei wichtigsten Leistungen und Regatten meiner fast 25-jährigen Karriere. Ich wurde in Vorfeld zweimal an der Nase operiert, konnte lange nicht trainieren und bin angeschlagen zur WM gefahren. Unter all diesen Umständen und ohne große Erwartungen im Vorfeld zu einer WM zu fahren, und dann noch zu siegen – in der Laufbahn eines Sportlers ist dies eine sehr emotionale und wichtige Erfahrung.

Eine Frage, die ich schon mehrmals gehört habe: Sind gute Windsurfer auch automatisch gute Wellenreiter?

Nicht automatisch! Wenn man sich die Zeit nimmt und viel auf dem Wellenreiter unterwegs ist, dann kann das schon stimmen. Ich persönlich gehe sehr wenig Wellenreiten und maße mir nicht an zu sagen, dass ich es gut könne. Die Jungs auf Hawaii sind allerdings alles sehr gute Wellenreiter, denn sie haben tagtäglich perfekte Wellenreitbedingungen vor der eigenen Haustür.

Wenn man mit dem Windsurfing-Sport beginnen möchte, worauf sollte man in erster Linie achten?

Im Grunde sollte man sich nur eine gute Windsurfschule suchen, denn nur hier gibt es geeignetes Material und entsprechendes Knowhow, um das Windsurfen schnell zu erlernen.
Weitere Infos unter: www.berndflessner.de

TEXT: Oliver Bloss FOTO: Bernd Flessner




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